Mrz 222013
 

cover-ebookBuch: ADHS – aus Sicht einer betroffenen Familie

Aus dem Kapitel: Wie kann man unterstützen?

 Unterpunkt: Klare Ansagen machen

Klare Ansagen machen

Ein elementarer und zugleich schwieriger Punkt in der Erziehung sind klare Ansagen.

Du machst das jetzt. Punkt.

Ohne Diskussion. Ohne irgendwelche Abweichungen. Ohne irgendwas. Am besten noch gleich die Konsequenz dazu.

Das bedeutet nicht, gleich unbedingt zu bestrafen oder mit Süßigkeiten zu locken. Wenn zum Beispiel keine Jacke angezogen wird, dann geht das Kind eben diesmal ohne und friert, natürlich nur dann, wenn es nicht zu lange dauert. Schlecht wäre es, die Jacke trotzdem mit zu nehmen und dann dem Kind zu geben, denn dann würde es nur lernen, dass Mama sich schon kümmert.

Es sollte auch klar geregelt sein, dass immer zuerst Hausaufgaben gemacht werden und erst dann gespielt wird. Immer. Jeden Tag aufs Neue. Keine Abweichung, keine Diskussion, kein Gebettel. Denn nur, wenn es ganz klare Regeln gibt, kann ein Kind, welches von der Umwelt überfordert ist, sich daran festhalten.

Das klingt zwar jetzt streng, doch ist es auch gleichzeitig eine absolute Hilfe und Stütze. Denn auch wir Eltern sind nur Menschen und nicht immer gleich gut drauf, und so kommt vor allem nie die Frage auf, ob durch brav sein oder schlechtes Verhalten hier eine Änderung stattfindet oder ggfs. das Missverständnis aufkommt, dass es zu wenig Liebe gäbe.

Die klaren Ansagen gelten natürlich auch für die schönen Dinge im Leben. Wenn es heißt: Abends auf der Couch wird gekuschelt, dann müssen wir Erwachsenen uns an diese Ansage genauso halten. Auch diese Verlässlichkeit gibt Stabilität.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist ebenfalls, dass man sich kurz fast.

„Bitte zieh deine Jacke an“ 

Hier hat man vielleicht noch Glück und „zieh Jacke an“ kommt beim Kind an.

Doch wenn ich jetzt sage:

„Wir möchten jetzt gleich losgehen, um noch etwas einzukaufen und danach vielleicht noch Oma besuchen, und dort bekommst Du ein Bonbon. Daher zieh die Jacke an, und ach, hast Du die Autoschlüssel gesehen und brauchst Du eine Mütze?“

Hier kommt fast nichts an. Je nach Charakter des Kindes hört es „wir möchten gleich los“ oder es bekommt noch mit „brauchst Du eine Mütze“ – in beiden Fällen wird es nicht wirklich reagieren. „Wir möchten gleich los“ heißt: irgendwann, aber nicht jetzt. Und ach nee, Mütze braucht es im Kinderzimmer nicht.

  5 Responses to “Leseprobe: ADHS aus Sicht einer betroffenen Familie”

Comments (4) Pingbacks (1)
  1. Respekt. Ich werde das Buch bestimmt lesen, auch wenn ich nicht direkt Betroffene bin, aber es ist ein Thema, das einem im Umfeld auch immer mal wieder begegnet. Öfters hört man ja auch die Aussage (Du vermutlich noch häufiger): „ADHS gibt’s doch gar nicht, die Kinder sind halt nur etwas lebhafter“ und ähnliches. Denen könnte ich dann ja Dein Buch empfehlen. Behandelst Du auch das Thema „Unterschied zwischen nur sehr lebhaften Kindern und Kindern, die wirklich ADHS haben“? Ich könnte mir vorstellen, dass die Grenzen da fließend sind bzw. es Diskussionen gibt, wo da die Grenze zu ziehen ist.
    (Ich gestehe, dass mich trockene Fachbücher zu dem Thema nicht so locken, weil ich halt nicht direkt betroffen bin.)
    Die Seite „Kopfstand“ an sich ist auch super gelungen. Gratulation zu dem „Baby“. 🙂
    LG und schöne Ostern!
    Katrin
    PS: Eine Mail-Abo-Funktion für Kommentare wäre super — falls ich mal „Wünsch Dir was“ spielen darf.

    • Hallo Fellmonster,
      Danke für diese tollen Worte. Das gibt so richtig Schwung und ich habe mich sehr darüber gefreut 🙂
      Trockene Fachbücher sind auch nicht gar so meine Welt, vor allem weil ich mich oft genug dabei frage, ob sie überhaupt Ahnung aus der Praxis haben.

      Die Abo-Funktion werde ich gleich umsetzten 🙂

      LG Mella

  2. Vielen Dank für den Link!
    Ich denke ich werde mir das Buch bestellen! Meine beiden Jungs sind zwar nicht positiv auf ADHS getestet worden, aber ich merke immer wieder wie ich an meine Grenzen gelange und wenn ich mir da den ein oder anderen Tip von einem „Profi“ holen kann, ist das bestimmt nicht verkehrt.
    Gerade was die Konsequenzen angeht und die klaren ANsagen, hapert es bei mir leider doch noch immer.

    Vielen Dank für ein gescheites Buch was nicht immer nur trockene Beispiele aufzeigt und von Leuten geschrieben wurden die wohlmöglich nicht in ihrem Privatleben damit zu tun haben!
    Viele Grüße Danny

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)